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Junge Welt, 31.03.2003 Internationale Demonstration gegen den Krieg: Interview: Karin Leukefeld jW sprach mit George Rishmawi, Vertreter der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas (DFLP) und Vorsitzender der palästinensischen Gemeinde in Bonn F: Sie haben am Samstag in Bonn gemeinsam mit Kurden, Türken, Griechen, Libanesen, Arabern und Deutschen für Frieden in Irak und Palästina demonstriert. Wie vertragen Sie sich mit den Kurden? Wir Palästinenser waren mit den Kurden und ihren Forderungen immer solidarisch. Wir sind für das Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes, daher ist eine gemeinsame Veranstaltung kein Problem. F: Die Kurden im Nordirak unterstützen doch den Krieg der Amerikaner und Briten. In unserem Bündnis sind Kurden aus der Türkei. Bei den Kurden aus dem Nordirak muß man differenzieren. Manche denken vielleicht, die Amerikaner würden sie befreien, aber die sollen uns mal ein Beispiel nennen, wo die Amerikaner ein Land besetzt haben und es hinterher Frieden und Demokratie gab. So ein Beispiel gibt es nicht, diese kurdischen Kräfte sind auf dem falschen Weg. F: Was befürchten Sie, könnte im Schatten dieses Krieges dem palästinensischen Volk geschehen? Wir haben große Angst, daß Scharon einen uralten Plan umsetzt, der vorsieht, die Palästinenser aus ihrer Heimat nach Jordanien zu vertreiben. Es könnte einen Transfer der politischen Führung des palästinensischen Widerstandes und großer Teile des Volkes geben. F: In Jordanien hat es große Demonstrationen gegen den Krieg gegeben. Dort leben über 70 Prozent Palästinenser, und ihre Forderungen sind klar: Unterstützung der Intifada, um Palästina zu befreien, und diesen ungerechten Krieg gegen den Irak stoppen. Wir sind nicht für Saddam, aber wir sind auch nicht für diesen Krieg. Wir sind für demokratische Verhältnisse im Irak. Das Volk im Irak soll entscheiden, welchen Weg es einschlagen will, nicht Bush und nicht Blair. F: Im Westen denkt man, die Iraker seien nicht in der Lage, das zu tun. Das irakische Volk kann sich artikulieren. Seit mehr als 35 Jahren aber hatte es keine Möglichkeit dazu. Solange ist dort ein totalitäres System an der Macht, das den Menschen keine Gelegenheit ließ, sich anders zu äußern. F: Die Amerikaner und Briten nehmen gerade das zum Anlaß und sagen, sie wollen die Iraker befreien. Wie in Afghanistan wollen die Amerikaner eine Regierung installieren, die ihre wirtschaftlichen und strategischen Interessen in der Region vertritt. Wir sehen doch, daß die Iraker den Amerikanern nicht zujubeln. Die wissen genau, welchen Plan Briten und Amerikaner verfolgen. Dieser Krieg wird lange dauern, und am Ende werden die Amerikaner und Briten militärisch wohl gewinnen, aber politisch werden sie die Verlierer sein. F: Sehen Sie die künftige Zusammenarbeit mit der deutschen Friedensbewegung optimistisch? Wir brauchen noch mehr Unterstützung. Wir hoffen, daß bald ein internationales Komitee gebildet wird, wo Kurden, Palästinenser, Araber, Europäer zusammenarbeiten. Auch in Deutschland sind wir sehr zersplittert, daher möchte ich von hier aufrufen: Wir müssen gemeinsam diese Invasion, diesen ungerechten Krieg bekämpfen. |