Bonner/Kölnische Rundschau Online, 23.03.2003

Trommeln für den Frieden

Von VERA MERCKER

23.03.2003 22:34 Uhr

BONN. Ein buntes Meer von Fahnen und Transparenten, singende, pfeifende, trommelnde Menschen: Der Münsterplatz war am Samstagnachmittag fest in der Hand der Kriegsgegner. Die vom Bonner Friedensbündnis gemeinsam mit der Bezirksschülervertretung organisierte Friedensdemonstration übertraf nach Angaben der Veranstalter alles Vorangegangene: Gut 5000 Menschen seien dem Aufruf zum Protest gegen den Irakkrieg gefolgt. Die Polizei sprach allerdings von 3000 Demonstranten.

„Das Bedürfnis der Schüler zu demonstrieren ist unbedingt ernst zu nehmen", sagt ein Lehrer vom Gymnasium Sieglar. „Auch die Jüngeren haben durchaus überlegte Argumente gegen den Krieg." Als Bezirksschülersprecher Thamil Venthan Ananthavinayagan über Megaphon zu sprechen beginnt, wird es still auf dem Platz. Ihn treibe das Gewissen der Menschlichkeit auf die Straße, ruft er, das Bedürfnis,der Welt zu beweisen, „dass die Jugend sich um den Weltfrieden sorgt, dass man eine Verantwortung hat". Vor wenigen Tagen hat er seinen Vater, einen Sri-Lanker, verloren, der als politischer Gefangener sieben Jahre inhaftiert gewesen ist. „Wenn ich die Bilder aus dem Irak sehe, wenn ich sehe, wie die Menschen den Tod eines geliebten Menschen beweinen, weiß ich, wie sie sich fühlen." Thamils Worte gehen nahe.

Bernd Klagge vom Bonner Friedensbündnis verknüpft den Protest mit konkreten politischen Forderungen. Er weist darauf hin, dass nicht nur jeder völkerrechtswidrige Krieg strafbar sei, sondern auch jede Unterstützung. Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann fordert er auf, sich als Mitglied des SPD-Parteivorstands für die Sperrung des deutschen Luftraums für US-Militär einzusetzen.

Im Vorfeld der Demonstration hatten Uneinigkeiten zwischen Schülern und Mitgliedern des Friedensbündnisses zu einer kurzfristigen Ausladung der Oberbürgermeisterin geführt, die sich auf Anfrage der Schülervertreter, der Jusos und der SPD hin bereit erklärt hatte, auf der Kundgebung zu sprechen. „Die Rede der Oberbürgermeisterin hätte unserem Forderungskatalog nicht in allen Punkten entsprochen“, erklärt Michael Weißer die Haltung des Friedensbündnisses. „Das Problem der Überflugrechte etwa ist uns momentan ein Hauptanliegen. Eine kurzfristige Einigung unter den Veranstaltern war in dieser Situation nicht mehr möglich. Vielleicht klappt es im Rahmen der nächsten Veranstaltung." Die Oberbürgermeisterin, erst Samstagmittag zurück aus Usbekistan, kommentierte die Ausladung so: „Ich lasse mich nicht zu irgendwelchen Aussagen zwingen.“ Bonn sieht sie als UN-Stadt in der Pflicht, „den Gedanken der Vereinten Nationen zu verbreiten“.

Viele Demonstranten blieben nach einem Protestmarsch durch die Innenstadt auf dem Münsterplatz, um zu reden oder einfach ihrer inneren Anspannung Luft zu machen. Manche diskutierten heftig: Welche Strategien werden in diesem Krieg verfolgt? Welchen Einfluss können Europäer auf die Weltpolitik nehmen? „Denen da oben sind unsere Demos doch egal“, meinte ein Teilnehmer aufgebracht. „Aber zu Hause konnte ich es einfach nicht mehr aushalten, vor dem Fernseher werde ich verrückt." An anderen Stellen klang der Nachmittag besinnlich aus. Einige Demonstranten zündeten Kerzen an und sangen, begleitet von Gitarren und Trommeln: „We shall overcome . . ."